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Sprechen wir über Preußen. Die Geschichte der armen Leute

Posted By: tot167
Sprechen wir über Preußen. Die Geschichte der armen Leute

Joachim Fernau, "Sprechen wir über Preußen. Die Geschichte der armen Leute"
Goldmann Wilhelm | 1990 | ISBN: 3442064988 | 320 pages | PDF | 1,3 MB

Die Geschichte der armen Leute? Bei einem solchen Untertitel erwartet man zwar aufschlussreiche, aber doch eher trockene sozialhistorische Kost. Dann schlägt man Joachim Fernaus Buch Sprechen wir über Preußen auf und ist erst einmal überrascht: Kein thematisches oder chronologisches Inhaltsverzeichnis, keine Abbildungen, sondern ein Band, der auf den ersten Blick aussieht wie ein Roman. Leicht irritiert stöbert man hinein in dieses so andere Geschichtswerk und stellt erfreut fest, dass es sich auch fast wie ein Roman liest. Nichts von sachlich-muffiger Geschichts(be)schreibung, sondern eine flott verfasste Abhandlung über Preußens Entwicklung.

Fernau unternimmt mit uns eine Wanderung durch das historische Preußen, beschreibt das Leben links und rechts des Weges, den alltäglichen Überlebenskampf gegen Armut, Seuchen oder Ganoven, schaut aber auch in die Kasernenhöfe mit ihrem harten Militärdrill. Er macht bei den herrschaftlichen Sitzen Halt und erläutert seinen allzeit gefesselten Lesern den Einfluss der preußischen Herrscher auf ihren Staat, ihre Eigenheiten, ihren Regierungsstil und natürlich ihre Politik. Denn die bestimmte ja letztlich das Leben der Bürger.

Zugegeben, ein klassisch-informatives Geschichtsbuch mit hohem Nachschlagewert ist Sprechen wir über Preußen nicht (da sind schon fehlende Inhaltsübersicht und Register vor), dafür aber ein kurzweiliger Band, der seine vielen Preußen-Fakten auf ungewohnte Weise vermittelt. Wem das alles zu wenig wissenschaftlich aufbereitet ist, der kann zu einem der traditionellen Geschichtsbücher greifen, die spätestens das Preußenjahr reichlich hervorgebracht hat (wie etwa den Begleitband zur ARD-Serie Preussen. Chronik eines deutschen Staates, Julius Schoeps' Preußen. Geschichte eines Mythos oder Sebastian Haffners Preußen ohne Legende. Fernaus beachtenswerte Arbeit jedenfalls ist ein Band, der das Prädikat "Ein etwas anderes Geschichtsbuch" einmal wirklich verdient hat. –Joachim Hohwieler

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